Webschau Juli 2014

Posted On 25. Juli 2014| Hinterlasse eine Antwort

Darüber spricht das Netz … im Juli

Für pb21.de – Web 2.0 in der politischen Bildung schreibe ich jeden Monat eine Webschau. Hier ist die Juli-Ausgabe:

Die Webschau im Juli hat zur Fußball-Weltmeisterschaft nur dies zu bieten: Am Abend des Finalspiels – genauer gesagt zum Abpfiff – haben „wir“ einen Rekord produziert, nämlich 618.725 Fußball-Tweets pro Minute abgesetzt. Andere Plattformen hatten es nicht so gut: YouPorn litt während des Turniers unter einem massiven Rückgang der Nutzer aus Deutschland.

Weitere Themen dieser Webschau: Facebook spielt mit unseren Gefühlen, YouTube-Anleitungen als Kunst und die Baustelle Schul-IT.

Lesetipps: Digitale Medien in Schule und Universität

Für das Leben lernen
„Schulen auf dem Weg zum zeitgemäßen Computereinsatz: Bildungspolitiker sprechen hartnäckig von ‚neuen Medien‘ – für Schüler sind Tablets und Notebooks längst selbstverständliche Alltagsgegenstände. Auch wenn es den Schulen häufig noch an Infrastruktur fehlt, erproben engagierte Lehrer vielerorts bereits neue Unterrichtsformen.“ Der Beitrag ist ein Teil des Themenschwerpunktes „Baustelle Schul-IT“ im Heft 14/2014 der c’t, zu dem auch ein von Jöran Muuß-Merholz (Koordinator von pb21.de) geführtes Interview mit Prof. Simon Peyton Jones gehört.

Von Moodle bis MOOC – Digitale Bildungsrevolution durch E-Learning?
„Der Einsatz digitaler Medien wird die universitäre Bildung radikal verändern. Ob zum Besseren oder zum Schlechteren, ist strittig. Beginnend in den USA, haben inzwischen auch zahlreiche deutsche Hochschulen MOOCs (Massive Open Online Courses) aufgelegt. Enthusiasten sehen im digitalen Lernen eine große Chance für Bildungsgerechtigkeit, da durch kostenlose E-Learning-Angebote neue Zielgruppen erreicht werden können. Kritiker dagegen verweisen auf die hohen Abbruchquoten bei den Online-Kursen und warnen vor einer Kommerzialisierung der Bildung.“

Die Veröffentlichung der Friedrich-Ebert-Stiftung hat Beiträge zum Thema gesammelt, das Papier enthält u.a. ein Lexikon mit wichtigen Begriffen rund um das Thema.

#schul-it #digitalemedien #hochschule


Kurzmeldungen

Grimme Online Award für netzpolitik.org

Bei netzpolitik.org freut man sich: Dem Blog sei es „gelungen, ein Sammelbecken für jene Opposition zu sein, die nicht hinnehmen will, dass das freie Netz zerstört oder zumindest eingeschränkt wird. Zusammen mit einer stetig wachsenden Community schafft es das mittlerweile auf 30 Autoren angewachsene Team, digitale Themenfelder zu besetzen, um so auch eine Anlaufstelle für die klassischen Medien zu werden.“ so die Begründung der Jury auf grimme-institut.de.


#grimme #netzpolitik

Beliebte Körperdaten

„Google will nicht nur mit Wearables dichter an die Körper seiner Kunden, sondern auch mit einer neuen Daten-Plattform: Auf Google Fit sollen Körperdaten von diversen Apps und Geräten zusammenlaufen. Unter anderem soll die Plattform Herzfrequenz, Schritte und Schlafqualität erfassen und in Diagrammen visualisieren.“ Es werde u.a. mit namhaften Sportartikelherstellern zusammengearbeitet. Auch Apple arbeitet an einer Plattform, die der Selbstvermessung dient und in das neue mobile Betriebssystem integriert sein wird. Es berichtete heise.de.
#koerperdaten

Cybermobbing

„Eine 14-Jährige nimmt ein Erotikvideo von sich auf, schickt es einem Jungen und wird zum Mobbingopfer. Über pubertären Irrsinn in Zeiten der Sozialen Medien.“ Auf zeit.de ist reportageartig ein Fall festgehalten, der auch grundsätzliche Fragen zum Erwachsenwerden in Zeiten des Internet aufwirft: „Wie verläuft eine Jugend, eine Pubertät in einer Zeit, in der fast nichts mehr intim bleibt, in der fast alles geteilt wird? Wie kann man Sexualität entdecken, wenn alle dabei zusehen? Wird eine Art digitaler Exhibitionismus gefördert durch die pausenlose Zurschaustellung von allem und jedem?“
#cybermobbing #pubertaet

Rathaus 2.0 – Soziale Netzwerke für besseren Bürgerdialog

„Die Bürokratie ist nicht gerade als flinke neugierige Katze bekannt, die unablässig nach neuen Wegen sucht, ihre Bürger zu erreichen. Das ist mitunter nicht schlecht, weil viele Hypes ebenso schnell verpuffen wie sie aufgekommen sind. Doch Soziale Netzwerke sind längst als Kommunikationsmittel etabliert – und es steckt viel Potenzial für die Kommunalpolitik darin.“ Der Artikel auf politik-digital.de trägt Hinweise und Beispiele für eine erfolgreiche Rathaus 2.0-Strategie zusammen.
#rathaus20

Wie Unschuldige im Schleppnetz der NSA landen

… kann man in einem Beitrag auf zeit.de nachlesen: „Neun von zehn Menschen, deren Kommunikation die NSA überwacht, sind unverdächtig: Laut Washington Post werden dennoch intimste Details über ihr Leben gespeichert. Seit Beginn der Snowden-Enthüllungen heißt es immer wieder, der Geheimdienst überwache alles und jeden. Die Analyse der Washington Post liefert dafür die bisher konkretesten Belege. Sexbeichten, Fotos von Frauen, die in Unterwäsche posieren, ärztliche Unterlagen, Babyfotos – all das hat die NSA im Rahmen ihrer Überwachung von Kommunikationsinhalten abgefangen und gespeichert.“
#nsa #9von10

Mitmach-Maschine für die Elite

Mitte Juni hat das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft die „Partizipationsstudie 2014“ vorgestellt: „Macht das Internet die Demokratie stärker? Darüber wird seit Jahren gestritten. Die Studie belegt nun, dass die Demokratie durch das Netz auf jeden Fall eines wird: anders. Wie gut sie funktioniert, wird entscheidend davon abhängen, wie klug die Instrumente eingesetzt werden, mit denen Beteiligung abgerufen und genutzt werden kann.“ Es berichtete sueddeutsche.de.
#mitmachmaschine #demokratie #elite

Allensbach-Analyse: Folgenlose Ängste

„Die Vorteile des Internets lassen die Sorgen über den Datenschutz oft in den Hintergrund treten. Obwohl die Risiken längst bekannt sind, möchten viele Menschen auf bestimmte Nutzungsoptionen nicht verzichten.“ Das Resümee zu der Studie auf faz.net lautet: „Die Bürger beteiligen sich bisher nur begrenzt an den Debatten über die gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen durch das Internet. In dem auf Kosten- und Nutzenerwägungen ausgerichteten Zeitklima kommen viele Themen von großer Tragweite zu kurz.“

Den Verlust der Privatsphäre spürbar machen will dieses Kunstprojekt:


x.pose from Xuedi Chen on Vimeo.

#angst #datenschutz #konsequenzen

Soziale Netze wichtigster Verbreitungsweg für Nachrichten

„Im Internet sind Soziale Netzwerke die wichtigste Nachrichtenquelle für Jugendliche. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom informieren sich fast zwei Drittel (63 Prozent) der 16- bis 18-Jährigen über soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ oder Twitter.
54 Prozent der befragten Jugendlichen informieren sich direkt auf den Online-Seiten von Medien oder anderen Nachrichtenanbietern. Gut ein Fünftel (21 Prozent) nutzt Video- oder TV-Angebote im Netz, ebenso viele informieren sich in Foren oder Blogs, 16 Prozent per Webradio oder Podcasts.“ Nachzulesen u.a. auf golem.de.
#jugendliche #nachrichten

 

… und ein Nachtrag zum Youtube-Schwerpunkt der letzten Webschau:

„Jetzt helfe ich mir selbst“

Die 100 besten Video-Tutorials aus dem Netz sind in einer Ausstellung des Hartware MedienKunstVereins im Dortmunder U zusammengetragen, u.a. das oben erwähnte Türöffnen-Video: „Seien es profane Probleme bei der Installation von Druckertreibern, beim Binden von Schnürsenkeln oder beim Schminken – bis hin zum Bau von Waffen: Für fast alle Themen holt man sich heute Anleitungen und Hilfe aus dem Internet. ‚How-To‘-Videos sind zu einem wichtigen Phänomen der Do-it-Youtself-Kultur geworden.
Warum machen so viele Menschen Video-Tutorials? Warum erklären sie anderen, wie man etwas macht – ohne Gegenleistung und ohne ihr Gegenüber überhaupt zu kennen? Wollen die MacherInnen ihr Wissen einfach nur selbstlos weitergeben? Geht es ihnen um Ruhm und Ehre? Oder doch mal wieder nur ums Geld?“ Wer es nicht in die Ausstellung schafft, kann sich mit Hilfe der Playlist selbst eine Meinung bilden.


#diy #tuerauf

 


 

Debatte: Facebook experimentiert

… mit Nutzerinnen und Nutzern: „Facebook hat vor eineinhalb Jahren in einer Studie untersucht, wie sich positive und negative Emotionen in Netzwerken ausbreiten. Dazu wurde die Auswahl der Einträge ihrer Facebook-Freunde im Nachrichtenstrom einiger hunderttausend Nutzer vorgefiltert. Die Autoren der kürzlich veröffentlichten Studie kamen zu dem Schluss, dass Menschen, die mehr positive Nachrichten sahen, etwas eher dazu neigten, auch selbst Einträge mit positivem Inhalt zu veröffentlichen – und umgekehrt.“ Auf die Empörung über das Experiment reagierte Facebook mit der Aussage, dass es eine strikte interne Aufsicht gebe. Und: Das Projekt sei schlecht kommuniziert worden. Auf heise.de wird angemerkt: „Generell ist die wissenschaftliche Auswertung von Nutzerdaten aber nichts ungewöhnliches bei Facebook – der Konzern beschäftigt schon seit längerem Sozialforscher.“ An den Untersuchungen seien auch bekannte US-Unis beteiligt.

Auf netzpolitik.org sind Stimmen aus dem Netz zum Thema zusammengetragen, z.B.: „Facebook hat für die Studie nichts anderes gemacht als auch sonst in seinem ‚Tagesgeschäft‘: Facebook manipuliert ständig den Newsfeed aller Nutzer und damit ihre Gefühle. Die Algorithmen zeigen stets nur eine Auswahl an Beiträgen, von denen man ausgeht, dass der Nutzer sie sehen will. Die Entscheidung was man im Newsfeed zu sehen bekommt und was nicht, basiert allerdings nicht auf transparenten Kriterien. Facebook ist für gewöhnlich eine Blackbox und mit der Studie ist nun ein winziger Teil dessen öffentlich geworden.“

#facebook #experiment #transparenz


 

Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autorin: Ute Demuth für pb21.de.

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